Zu laut, zu viel, zu intensiv? Hochsensibilität erkennen und verstehen
- Nicole Marzi
- 11. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Du sitzt mit einer Freundin im Café.
Es ist nicht besonders laut, nicht besonders voll, nichts Ungewöhnliches. Zwei Tische weiter wird gelacht, die Bedienung huscht von einem Tisch zum anderen, draußen fährt ein Bus vorbei.
Für sehr viele Menschen klingt das wie eine Hintergrundmusik.
Für dich ist es… alles gleichzeitig.
Du hörst nicht nur die Worte deines Gegenübers, sondern auch den Kaffeevollautomaten, das Klappern der Löffel, jedes Wort am Nachbartisch. Nicht zu vergessen, den leichten Wechsel im Tonfall deiner Freundin, als sie ihren Satz beendet.
Als ihr später beide das Café verlasst, sagst du zu ihr: „Schön, dass wir uns mal wieder getroffen haben.“ Gleichzeitig denkst du dir: „Aber irgendwie war es verdammt anstrengend.“
Die Freundin verabschiedet sich mit: „Das war so toll, dich wiederzusehen. Das müssen wir unbedingt wiederholen!“
Es ist die gleiche Situation und doch sind es zwei völlig unterschiedliche Erlebnisse.
Was ist Hochsensibilität?

Hochsensibilität beschreibt die angeborene Eigenschaft, Reize aus der Umwelt feiner wahrzunehmen und intensiver zu verarbeiten als andere.
Menschen mit hoher Sensibilität fallen oft mehr Details auf, sie reagieren stärker auf äußere Eindrücke und denken Erlebtes länger nach.
Der Begriff wurde maßgeblich von der Psychologin Elaine Aron geprägt und beschreibt eine natürliche Variante menschlicher Wahrnehmung.
Wie zeigt sich Hochsensibilität im Alltag?

Geräusche, Menschenmengen oder viele Eindrücke gleichzeitig erschöpfen dich schneller
Stimmungen im Raum nimmst du früh und intensiv wahr
Gespräche und Situationen wirken in dir lange nach und werden immer wieder durchdacht
Licht, Geräusche, Gerüche oder soziale Dynamiken nimmst du stärker wahr als dein Umfeld
nach intensiven Tagen entsteht in dir ein deutliches Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe
Gleichzeitig bringt sie auch besondere Stärken mit sich:
du hast ein feines Gespür für andere und eine ausgeprägte Empathie
du nimmst Details und Zwischentöne wahr
du denkst sehr differenziert und tiefgehend
du verfügst über ein starkes Verantwortungsgefühl im Umgang mit Menschen
Wie häufig ist die Hochsensibilität?

Schätzungen zufolge sind etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen hochsensibel.
Gemäß der APOTHEKEN Umschau gibt es eine neuere Studie, die sogar von 30 Prozent spricht.
Das bedeutet: In fast jeder Gruppe, jedem Team oder jeder Familie gibt es mehrere Menschen, die die Welt intensiver wahrnehmen, ohne dass es bewusst auffällt.
Hochsensibilität ist also ein verbreiteter Teil menschlicher Persönlichkeit.
Hartnäckige Missverständnisse rund um die Hochsensibilität

„Hochsensible Menschen sind einfach zu empfindlich.“
Das ist Quatsch, denn hier wird gern die Empfindlichkeit mit einer geringeren Belastbarkeit gleichgesetzt. Doch hochsensible Menschen sind oft überdurchschnittlich belastbar und gehen sogar über ihre Grenzen hinaus, genau weil sie Reize intensiver und differenzierter verarbeiten.
„Hochsensibilität ist eine Schwäche.“
Ganz klar: Hochsensibilität kann im Alltag herausfordernd sein, dich manchmal schwach erscheinen lassen und dich auch tierisch nerven. Gleichzeitig schenkt sie dir Stärken wie Empathie, eine genaue Wahrnehmung und tiefes Denken.
„Das ist nur ein Trendbegriff.“
Womöglich genauso wie Kokolores? Fakt ist: Der Begriff wurde bereits in den 1990er-Jahren von der Psychologin Elaine Aron geprägt und wird seitdem wissenschaftlich erforscht und weiterentwickelt.
Warum eine unterschiedliche Wahrnehmung im Alltag und Beruf eine große Rolle für dich spielt

Deine individuelle Wahrnehmung beeinflusst deutlich die Kommunikation und Zusammenarbeit im Alltag und im Beruf.
Wenn...
dein Rückzug als Desinteresse verstanden wird,
deine ruhigen Reaktionen als Unsicherheit interpretiert werden oder
deine intensive Reaktionen als „Überempfindlichkeit“ gelten,
wird es Zeit für dich, deine innere Stimme ernster zu nehmen als fremde Urteile.
Möchtest du genauer verstehen, wie ausgeprägt deine eigene Wahrnehmung ist? Ein kurzer Selbsttest kann eine hilfreiche Orientierung für dich sein.
Der folgende Test gibt dir die Möglichkeit, besser einzuordnen, ob du zu den besonderen 30% der Menschen gehörst.
Er kann dir erste Hinweise geben und zur Selbstreflexion anregen.




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